Evangelisch-reformierte Kirche in Hamburg

Geschichte

Vor mehr als 400 Jahren kamen die ersten reformierten Christen nach Hamburg.

Geschichtstafel

Geschichtstafel

Flamen, Wallonen und Holländer wurden durch die Schreckensherrschaft des spanischen Herzogs Alba aus den Vereinigten Niederlanden vertrieben. Sie fanden am Niederrhein, in Ostfriesland und auch in Hamburg eine neue Heimat.

In Frankreich erreichte die blutige Hugenottenverfolgung in der Bartholomäusnacht ihren grauenvollen Höhepunkt. Die Überlebenden flohen in protestantisch gewordene Länder, unter anderem auch nach Hamburg, das schon 1529 die erste evangelische Kirchenordnung erhalten hatte.

Doch die Lutheraner führten hier ein strenges Regiment. Sie sahen in diesen Fremden Unruhestifter, die sich nicht ihrer hierarchischen Kirchenordnung unterwerfen wollten. Die Flüchtlinge feierten nur einen schlichten Predigtgottesdienst und kannten keine “heiligen Zeiten”.

Ja, sie wollten sich auch nicht an die vorgeschriebenen Predigttexte binden, sondern erläuterten ganze Bücher der Bibel – getreu dem Auftrag, das Evangelium zu verkünden. Sie hielten am Verständnis des Abendmahles fest, wie Johannes Calvin es formuliert hatte. Deshalb wurde den Reformierten die freie Religionsausübung in Hamburg nicht gestattet.

Fleiß, Bildung und Kapital sowie die guten Handelsbeziehungen der Niederländer und der Hugenotten waren zwar willkommen, aber sie wurden doch mit Misstrauen und vielleicht auch ein wenig mit Neid betrachtet, denn viele von ihnen hatten es schnell zu einigem Wohlstand und Ansehen gebracht.

Im Jahre 1602 erhielt das benachbarte Altona durch das Privileg des Grafen von Schauenburg und Holstein in einem bestimmten Gebiet Handels-, Gewerbe- und Glaubensfreiheit. Die beiden Straßennamen “Große-” und “Kleine Freiheit” erinnern noch heute daran. So konnten die Reformierten an der “Freiheit” eine Gemeinde gründen. Ihr gehörten Franzosen, Niederländer und Deutsche aus Hamburg und Altona an. Gepredigt wurde in allen drei Sprachen. Das machte das Gemeindeleben schwierig. Die sprachlichen Barrieren und politischen Grenzen – Altona kam erst 1937 zu Hamburg – führten zu manchen Trennungen. 1686 spalteten sich die Deutsch-reformierte Gemeinde und die Französisch-reformierte Gemeinde in Hamburg und Altona. 1716 und 1761 trennten sich die reformierten Gemeinden in Hamburg und Altona. Die Hamburger konnten ihren Gottesdienst nur unter dem Schutz des holländischen Gesandten halten.

Erst 1785, im Zeitalter der Aufklärung mit ihrer religiösen Duldsamkeit, erhielten die Reformierten auch in Hamburg das umfassende Recht der freien Religionsausübung. Allerdings mit Einschränkungen: “…(und ein) Gebäude zum Behuf ihres Gottesdienstes aufzuführen oder einzurichten. Doch darf ein solches Gebäude weder mit Türmen, Glocken, noch anderen äußerlich in die Augen fallenden Kennzeichen einer öffentlichen Kirche versehen sein.”

Nachdem 1963 die Evangelisch-reformierte Stadtsynode zu Hamburg gegründet wurde, schlossen sich endlich 1976 die Deutsche evangelisch-reformierte Gemeinde, die Evangelisch-reformierte Gemeinde in Hamburg-Altona und die Französisch-reformierte Gemeinde in Hamburg zur Evangelisch-reformierten Kirche in Hamburg zusammen.

Unser Ursprung

Ulrich Zwingli (1484-1531)

Aus der Schweizer Reformation, die vor allem auf das Wirken von Huldrich Zwingli in Zürich ab 1523 und von Johannes Calvin  in Genf ab 1536 zurückgeht, ist die evangelisch-reformierte Kirche hervorgegangen. Zwingli  war Schweizer und in der demokratischen Tradition seines Landes groß geworden. Calvin, der bedeutendste reformierte Theologe, hatte selbst die Folgen einer absolutistischen Macht auch in Glaubensfragen zu spüren bekommen: Er wurde zum Verlassen Frankreichs gezwungen. In der Schweiz lebten beide in freien politischen Gemeindewesen, in denen die Bürger gewohnt waren, ihre Dinge selbst zu entscheiden.

Die Ordnung der evangelisch-reformierten Kirche wurde den Regeln der christlichen Urgemeinden nachgebildet. Dabei wurde nach Formen gesucht, die sich auf das gründeten, was Gottes Wort an Orientierungshilfen für die Gemeinde bietet.

Im Gegensatz zum Katholizismus wurde jede Hierarchie abgelehnt wie auch die lutherische Form der Landeskirche mit einem Landesbischof an der Spitze.

Die Kirchenordnung der Reformierten wird grundsätzlich von der Ebene der Gemeinde bestimmt – mit einem modernen Wort – von der Basis.

Johannes Calvin (1506-1564)

Johannes Calvin (1506-1564)

Für die Verfassung der reformierten Gemeinde wurden neben dem Amt des Predigers die Ämter der Lehrer, der Ältesten und der Diakonen bestimmend. Der Herr der Kirche ist Jesus Christus allein. Er regiert durch sein Wort. Das heißt: Nicht ein einzelner Mensch übt die Leitung aus, sondern eine Gemeinschaft von Schwestern und Brüdern, die sich unter das Wort Gottes stellen. Alle dienen ihr nach Fähigkeiten und im Sinne der Aufgabenstellung.

Die wichtigsten Entscheidungen werden von der Gemeindeversammlung getroffen. Stimmberechtigt sind alle volljährigen Gemeindemitglieder, sowie konfirmierte und zugleich religionsmündige Jugendliche. Sie wählen zum Beispiel den Kirchenrat und die Pastoren.

Der Kirchenrat leitet die Gemeinde in allen das Gemeindeleben betreffenden Fragen. Kirchenratsmitglieder, die nach Ablauf ihrer Amtszeit ausscheiden, werden Mitglieder des Konsistoriums und stehen mit ihrer Erfahrung der Kirche weiter zu Verfügung.